Andi Wieser vor EM-Debüt

Veröffentlicht auf von Hubert Kehrer

Andreas Wieser feiert in Krakau sein EM-Debüt
Andreas Wieser feiert in Krakau sein EM-Debüt

Mit dem Hollersbacher Andreas Wieser ist auch ein Salzburger Mitglied des EM-Teams für Krakau. Der Pinzgauer feiert in Polen kommende Woche sein Debüt im rot-weiß-rotem Dress. Mit ihm habe ich folgendes Interview geführt.

Andreas, du kommst aus Hollersbach. Nach 2013 wurde dein Heimatort in den letzten Tagen von schweren Unwettern heimgesucht. Bist du und deine Familie persönlich auch davon betroffen gewesen?
Nein, zum Glück nicht. In unseren Dorf hat es lediglich die Freizeitanlage inklusive Tennisplatz und Fußballplatz erwischt. Dafür hat es die Nachbarorte Bramberg und Neukirchen schlimm erwischt.

Bei den Winter World Transplant Games 2014 in Frankreich, hast du bewiesen, was für ein großartiger Schifahrer und Sportler du bist. Mit 5x Gold und Gold im Slalom –Teambewerb, hast du uns große Freude bereitet. Bei der Österr. Meisterschaft in der Innerkrems hast du in überlegener Manier den Titel geholt. Für mich bist du momentan einer der besten transplantierten Schifahrern nicht nur in Österreich, sondern auch weit über unsere Grenzen hinaus. Jetzt hast du dich entschlossen, auch an der EM in Krakau teilzunehmen. Das zeigt doch, dass du ein sehr vielseitiger Sportler bist. Welchen Stellenwert hat für dich der Sport?

Sport war für mich immer schon sehr wichtig, habe seit meiner Kindheit schon Sport gemacht. Früher war ich begeisterter Fußballer, und später habe ich ein wenig mit Tennis begonnen. Durch meine Gesundheitsbedingte 8-jährige Sportpause, freut es mich natürlich umso mehr, wieder regelmäßig Sport ausüben zu können.

Von wem deiner Eltern hast du diese „sportlichen Gene“ geerbt?
Puhh schwierige Frage, das habe ich mich selber schon öfter gefragt. Sie sind beide keine extremen Sportler.

Du bist 26 Jahre alt und hast schon einiges hinter dir. Unter anderem hast eine neue Lunge bekommen und wurdest Knochenmark transplantiert? Wie ist es dazu gekommen?

Im April 2005 bekam ich völlig unerwartet Leukämie. Nach nicht angeschlagenen Chemotherapien im Landeskrankenhaus Salzburg wurden meine Geschwister auf passendes Knochenmark getestet Der Test bei meinem Bruder war positiv.
Am 28.Juni 2005 wurde ich im Wiener AKH Knochenmark transplantiert . Nach unzähligen Nebenwirkungen und Abstoßungen (akute GvHD der Haut, Leber) und einer Blutvergiftung durfte ich nach Hause. Nach einen halben Jahr bekam ich eine chronische GvHD (Abstoßung) der Lunge und hatte nur mehr 20-25% Lungenfunktion, die sich nicht mehr besserte. Damit lebte ich dann sehr eingeschränkt die folgenden 7 Jahre, bis sich 2011 die Situation dramatisch verschlechterte und die Lunge immer wieder kollabiert ist. Im Sommer 2011 kam ich dann auf die Liste, wo ich ein halbes Jahr mit Sauerstoff auf eine Spenderlunge gewartet habe. Am 09.Jänner 2012 war es dann soweit. Ich wurde im Wiener AKH Lungen transplantiert. Nach der REHA in Hochegg ging es immer aufwärts, und ich konnte langsam wieder mit Sport beginnen. Inzwischen geht es mir wieder richtig gut und kann wieder viele Sachen machen, die ich früher auch gemacht habe.

Diese Zeit war nicht nur für dich sehr schwierig, sondern auch für deine Eltern. Wie sind sie damit umgegangen?
Es war natürlich für die ganze Familie ein großer Schock, aber sie hat mich in der schwierigen Zeit immer unterstützt.

2012 wurdest du transplantiert. Hat dir der Sport in irgend einer Weise dabei geholfen, diese schwierige Zeit zu bewältigen?

Ich habe in der schwierigen Zeit immer gehofft, dass ich früher oder später wieder Sport betreiben kann. Dass ich wieder so intensiv Sport machen kann wie jetzt, daran habe ich selber nicht mehr geglaubt.

Nur noch wenige Tage bis zur Eröffnungsfeier der EM im Zentrum von Krakau. Wie geht´s dir so?
Danke mir geht es sehr gut, fühle mich fit für die Spiele und freue mich schon auf die EM.
Für welche Bewerbe hast du gemeldet?

Ich habe mich für Tennis, Tischtennis und Badminton angemeldet, wobei ich im Tennis sicher am besten bin.

Wie hat deine persönliche Vorbereitung ausgeschaut?
Ich spiele regelmäßig Tennis, spiele seit letztem Jahr auch im Tennisclub in der Hobbyliga mit. Die beiden anderen Sportarten spiel ich nicht regelmäßig. Für Badminton habe ich mir ein Netz gekauft und habe mit Freunden ab und zu gespielt.

Was sind deine Erwartungen für deine EM-Premiere?
Kann ich schwer einschätzen, wie das Niveau bei den Spielen ist. Habe bis jetzt bei den Sommerspielen noch keinen Vergleich.

Haben deine Erfolge in diesem Jahr dein Leben verändert?
Nein, für mich hat sich mein Leben dadurch nicht geändert, habe mich aber natürlich sehr über die Erfolge gefreut.

Wie hat dein Umfeld diese großen Erfolge wahrgenommen?
Das wurde sehr positiv von meiner Familie, Verwandten, Bekannten und Freunden wahrgenommen. Ansonsten bin ich nicht der Typ, der immer im Mittelpunkt stehen will / muss.

Was macht ein 6-facher Weltmeister in seiner Freizeit, wenn er einmal nicht Sport betreibt?
Ich bin viel unterwegs, unternehme viel mit meinen Freunden und mache alles, was mir Spaß macht.

Deine Eltern haben in Hollersbach eine Installations-Firma. Sind sie auch deine Arbeitgeber?
Ja das ist richtig. Mittlerweile hat mein Bruder die Firma übernommen und ist mein Arbeitgeber.

Welchen Beruf übst du zur Zeit aus?
Ich habe nach der Transplantation die Lehrabschlussprüfung als Bürokaufmann gemacht, da ich damals die HTL für Gebäudetechnik in Vöcklabruck abbrechen musste.

Du bist nicht nur auf Grund deiner Erfolge ein großes Vorbild für viele Menschen mit einem ähnlichen Schicksal. Welche Botschaft möchtest du ihnen auf diesem Weg mitgeben?
Etwas suchen, was einem Spaß macht, um ein wenig von der Krankheit abgelenkt zu sein, in meinen Fall war es Poker spielen. Aber natürlich darf man nie aufgeben und muss immer weiter kämpfen, egal wie schwer es gerade ist.

Abschließend bedanke ich mich dafür, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast. Ich wünsche dir alles Gute für dein EM-Debüt in Krakau.

Veröffentlicht in Team Austria

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