Interview mit EM-Debütant Franz Emeder

Veröffentlicht auf von Hubert Kehrer

Interview mit EM-Debütant Franz Emeder

Nur noch wenige Tage bis zum Beginn der Europameisterschaft der Transplantierten und Dialysepatienten in Krakau. Erstmals für Österreich am Start, ist der Oberösterreicher Franz Emeder aus St.Georgen / Attergau. Mit ihm habe ich folgendes Interview geführt.
Du bist seit mehr als einem Jahr Dialysepatient. Wie ist es dazu gekommen?
Ich spürte im Jahr 2007 einen Leistungsverlust beim Rad fahren. Hab dann verschiedene Ärzte aufgesucht. Jeder sagte mir, ich sei gesund. Bei arbeitsmedizinischen Untersuchungen stellte man hohen Eiweißgehalt im Harn fest. Nach ca. 1,5 Jahren war ich bei einem Nierenspezialisten. Der schickte mich ins Krankenhaus zu einer Gewebeprobeentname der Nieren (Biopsie). Diagnose im Februar 2009 war eine chronische Nierenentzündung IGA Nephrithis mit negativem Verlauf.
Wie geht´s dir damit?
Ich komme ganz gut damit zurecht. Die vier Jahre von der Diagnose bis zur Dialyse, da wurde ich immer schwächer und müder. Ich betrieb Sport, so lange es ging, aber im letzten Jahr ging gar nichts mehr, weil ich zu erschöpft war. Vor der Dialyse ging es mir wirklich schon sehr schlecht und vor allem hab ich sehr viel geschlafen.
Wie geht deine Familie mit dieser speziellen Situation um?
Ich versuche, ein ganz normales Leben zu führen. Ich bin geschieden, mein Sohn (28 Jahre) lebt bei mir, der ist aber schon erwachsen. Meine Tochter(17 Jahre) sehe ich jedes Wochenende.
Wo hast du deine Dialyse: Zu Hause oder im Krankenhaus?
Im Klinikum Wels-Grieskirchen
Du feierst ja demnächst deinen 50er. Ich nehme an, du bist noch berufstätig?
Ich arbeite 90%, meine Firma bezahlt mir aber 100% und mein Beschäftigungsgrad ist auch noch 100%.
Wie lässt sich die Dialyse, die ja viel Zeit in Anspruch nimmt, mit deinem Beruf vereinbaren?
Arbeit nimmt mit An- und Abreisen ca. 40 Stunden in Anspruch. Dialyse mit An- und Abreise ca. 20 Stunden. Ich fahre noch 10-15 Stunden pro Woche Rad. Den Rest brauche ich für Haus und Garten. Ich habe einen sehr, sehr engen Terminkalender.
Für viele Dialysepatienten ist das Thema Transplantation natürlich ein Thema. Für dich auch?
Eine Lebendspende würde ich annehmen. Von der Spenderliste habe ich mich streichen lassen.
Welche Bedeutung hat für dich der Sport?
Ich war immer begeisterter Radfahrer, bin auch so ca. 20 Rennen gefahren. Rennradrennen und Mountainbike- Rennen. Ich bin in einem Radverein. Es war schwierig, als ich auf keinen Berg mehr fahren konnte. Ich bin gefahren, bis es wirklich nicht mehr ging. Ich habe eigentlich damit abgeschlossen. Ich hätte jeden ausgelacht, der mir gesagt hätte, ich würde mit Dialyse wieder so fit sein.
Wie sehr hilft dir der Sport in deiner Situation?
Das ist meine größte Freude. Ich habe mit der Dialyse begonnen und hab relativ schnell gemerkt, dass ich nicht mehr müde bin. Ich habe eine Woche nach dem Beginn der Dialyse mit dem Rad fahren begonnen. Ich hatte keine Kraft, keine Ausdauer, aber ich bin wieder gefahren. Ich habe ganz langsam gesteigert. Meine Ärzte sind sehr zufrieden. Ich habe sehr gute Blutwerte und bin für einen Dialysepatienten wirklich sehr fit. Ich bin heuer schon 5750 km gefahren. Ich fahre 100 km mit dem Rennrad ohne Probleme. Ich habe nicht mehr das Leistungsvermögen von früher, ich habe aber auch nicht mehr den Hämoglobinwert eines Gesunden. Aber trotzdem bin ich gut in Schuss.
Ich bin selbst ein begeisterter Radfahrer. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Trinken und Essen vor allem bei längeren Touren wichtig ist. Auf der anderen Seite sollen Dialysepatienten aber nicht mehr als einen halben Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Wie schaffst du das?
Meine Hauptmotivation beim Rad fahren ist immer das Schwitzen. Ich plane das Radfahren fix bei meinem Flüssigkeitshaushalt mit ein. Ich fahre auch immer so, dass ich schwitze. Ich halte die Trinkmengen beim Sport klein. Ich fahre oft 2 Stunden und trinke nur eine halbe Flasche. Deswegen kann ich auch im normalen Leben fast normale Mengen trinken. Wenn ein normaler Dailysepatien am Tag 1l trinken kann, dann kann ich 3l trinken, weil ich 2l verschwitze. Essen tue ich, was mir schmeckt. Ich nehme die Medikamente, die ich nehmen muss, aber ich brauche keine Diät zu halten. Ich glaube, das ist auch nur deswegen, weil ich Sport betreibe.
Ich nehme an, du bereitest dich schon intensiv auf deine erste EM in Krakau vor. Was hat dich motiviert, an der EM teilzunehmen?
Ich bin dem ATSF beigetreten. Da krieg ich immer Newsletter. Da hab ich von der Europameisterschaft gelesen, Dann hab ich Martin Krimbacher geschrieben und mich zum letzten Abdruck noch angemeldet. Seit meiner Anmeldung habe ich die Intensität noch mal gesteigert.
Bei welchen Bewerben bist du bei der EM am Start?
Rad fahren. 5km Zeitfahren und 20 km Rennen. Ich freue mich auch schon, die anderen Bewerbe anzuschauen, vielleicht kriege ich ja Lust, beim nächsten Mal bei mehreren Bewerben teilzunehmen.
Was sind deine persönlichen Ziele und Erwartungen für Krakau?
Ich kenne noch niemanden. Ich freu mich, neue Leute kennen zu lernen und bei den anderen Bewerben zuzuschauen und die anderen anzufeuern. Ich habe für mich getan, was möglich war. Ich bin für einen Dialysepatienten mit dem Rennrad wieder sehr schnell. Ich habe keine Ahnung über das Leistungsvermögen der anderen. Ich bin wirklich gespannt.

Danke für das Interview. Ich wünsche dir eine erfolgreiche EM Premiere in Polen.

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